Ausbildung ist ein Muss

Im Gespräch mit Rudolf Lüneborg

"Öl ist viel zu schade, um es zukünftig einfach nur zu verheizen" Rudolf Lüneborg "Öl ist viel zu schade, um es zukünftig einfach nur zu verheizen" Rudolf Lüneborg

Die Firma Lüneborg Wärme und Solar GmbH in Herdecke hat sich als klassischer Heizungsbaubetrieb schon vor über zehn Jahren zum
„Meisterbetrieb für Erneuerbare Energien“ hin spezialisiert. Der engagierte Geschäftsführer Rudolf Lüneborg bietet mit einem ergänzenden Planungsbüro alle Angebote rund um den Wärmemarkt in Gebäuden an, mit Ausnahme auf Heizöl basierender Systeme. Bei der Handwerkskammer Dortmund schult er angehende Meister; eine Leidenschaft, um auch dem Nachwuchs die Vorzüge der  Erneuerbaren Energien zu vermitteln.


Herr Lüneborg, vielen Dank, dass Sie für ein Gespräch mit uns zur Verfügung stehen. Seit wann bilden Sie in Ihrem Betrieb aus?


Seit Firmengründung. Der Handwerksbetrieb startete vor 15 Jahren bei Null und schon damals war es für mich nur konsequent und für den Betrieb überlebenswichtig, direkt Fachpersonal auszubilden.


In welchen Bereichen bilden Sie die Lehrlinge und Azubis aus?

 

Mit mir als Installateur- und Heizungsbaumeister bildet unser Betrieb ausschließlich Anlagenmechaniker/- in SHK (Sanitär/Heizung/Klima) aus. Sie können in ihrem Betrieb nur in solchen Handwerksberufen
ausbilden, in denen wenigstens ein Betriebsangehöriger auch die Meisterprüfung abgelegt hat und damit der verantwortliche Fachmann für die Ausbildung ist.

 

Nicht jeder Betrieb bildet aus, gerade neuere Betriebe in den Erneuerbaren Energien tun dies noch nicht. Warum halten Sie es für eine Notwendigkeit auszubilden? Eher aus gesellschaftlicher Verpflichtung oder gibt es hier klare Eigeninteressen?

 

Ich kenne kaum ein Handwerksunternehmen, das nicht ausbildet. Gerade das Handwerk hat schon immer darauf geachtet, regelmäßig für gut und erfolgreich ausgebildeten Nachwuchs zu sorgen. Die Fluktuation unter den Handwerkskollegen ist extrem gering, so dass eigentlich keine guten handwerklichen Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.


Wenn ein Betrieb sich neu entscheidet, auszubilden, wie geht er dann am besten vor?

 
Erster Ansprechpartner für die Berufsausbildung ist die Kreishandwerkerschaft am Betriebssitz. Dort bekommt die neue Ausbilderin alle notwendigen und weiterführenden Informationen.

 

Neben der Einrichtung einer Stelle ist der zweite Schritt, geeignete Bewerber zu finden. Wie muss sich ein Unternehmen oder ein Handwerksbetrieb aufstellen, um gute Bewerber zu finden? Wie machen Sie das?


Der neuen Handwerksausbilderin muss zuerst klar sein, dass die interessierte Schülerdecke für den Beruf sehr gering ist, da das Handwerksimage seit vielen Jahren stark gelitten hat und die Ausbildungswilligen eher andere kaufmännische oder verwaltungsorientierte Berufe bevorzugen, bzw. eine Ausbildung in der Industrie beginnen. Dagegen steht gerade in unserem Beruf in den letzten 10 Jahren ein technischer Fortschritt, der die Außenwirkung unseres Berufes schon lange überholt hat: Der sogenannte „Klempner“ ist mit der modernen Sanitär- und Heizungstechnik fast immer überfordert. Deshalb haben wir auch zunehmend Schwierigkeiten, geeignete, ausbildungsfähige Azubis zubekommen. Ein sehr bewährter Weg ist, den ständigen Kontakt mit den örtlichen Schulen zu suchen, um den verantwortlichen Techniklehrern unser sich stark gewandeltes Berufsbild zu vermitteln sowie durch die Lehrer-Vorauswahl geeignete Praktikanten zu bekommen. Nichts geht über das aktive Kennenlernen des möglichen zukünftigen Berufs durch ein – ruhig auch längeres – Praktikum. So können sich beide Seiten einer Ausbildung ohne Druck „beschnuppern“.

Ein weiteres, immer wieder erfolgreiches Mittel ist eine persönliche Zusammenarbeit mit den örtlichen Arbeitsagenturen. Alle unschlüssigen Schulabgängerinnen, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, erlernen dort, ordentliche Bewerbungen zu schreiben und sich einen Alternativberuf zu ihrem Wunschjob auszusuchen. Dadurch erhalten sie als Ausbildungsbetrieb eine Vielzahl von ähnlich lautenden Bewerbungen, unter denen aber häufig ein oder zwei interessante Jugendliche sind, die dann zu einer ersten Vorstellung und einem Praktikum eingeladen werden können.

 

Gibt es besondere Tipps, die man bei der Auswahl der Bewerber beachten sollte? Lebensläufe sind in dem Lebensstadium ja noch nicht sehr aussagekräftig.


Auch schon ein Lebenslauf der ersten zwanzig Jahre kann sehr aufschlussreich über die bisher zurück gelegte „Karriere“ sein. Hauptkriterium einer Vorauswahl ist jedoch das letzte Schulzeugnis, in dem ich fast immer nur auf die Noten in Deutsch, Rechnen und Technik schaue. Mindestens befriedigende Noten lassen hoffen. Seit einiger Zeit gibt es auch von unserem Fachverband NRW einen sehr
guten „Eignungstest für Auszubildende“ für Anlagenmechaniker
SHK, der in 60 Minuten OHNE Taschenrechner neben Angaben zur Person (Hobbys, Vereinsmitgliedschaft) und Allgemeinwissen („Aus
wie vielen Bundesländern besteht die BRD“), auch 18 Rechenaufgaben, 17 Fachkundefragen sowie Ankreuzfragen aus Politik und Wirtschaft und eine kleine praktische Aufgabe enthält. Die Auswertung dieses Tests ist sehr aufschlussreich und bringt
einen Vorgeschmack auf die Anforderungen, die unser Beruf heute stellt.

 

Wenn die Ausbildung hoffentlich erfolgreich ist, wie sieht der weitere Werdegang ihrer Azubis aus? Werden sie übernommen oder gehen sie in andere Betriebe? Und wie sieht ihr weiterer Karriereweg aus?

 

In fast allen Handwerksunternehmen bleiben die ehemaligen Azubis im Betrieb und bilden sich je nach Einsatzwillen und Fähigkeiten regelmäßig weiter fort. Sie sichern damit den erfolgreichen
Fortbestand des Unternehmens. Wie schon oben erwähnt: Im Handwerk herrscht noch eine sehr starke Tradition „von der Lehre bis zur Rente“ in einer Firma. Ein Teil der Gesellen verlässt den Betrieb, um an einer Handwerkskammer ihren Meisterbrief zu bekommen – die Voraussetzung zur Selbstständigkeit oder auch das Tor, in die  Industrie oder den Vertrieb zu wechseln. Eine geringere Anzahl geht nach der handwerklichen Ausbildung wieder zur Schule, um eine Fortbildung zum staatl. geprüften Techniker zu absolvieren, oder - je nach allgemeinem Schulabschluss - ein Studium zum Ingenieur für Versorgungstechnik aufzunehmen.


Herr Lüneborg, wir danken Ihnen für das Gespräch.