Zukünftiger Fachkräftemangel

In den letzten zwei Jahren hat die Wirtschaftskrise dazu beigetragen, dass es wieder etwas leichter war, Fachkräfte zu finden. Aus anderen Branchen orientierten sich Ingenieure und andere Fachkräfte um und fanden in den Erneuerbaren eine neue Heimat. Fachkräfte mit Branchenerfahrung blieben allerdings weiterhin  Mangelware.

 

In den nächsten 10 bis 20 Jahren wird es absehbar zu einem viel dramatischeren Fachkräftemangel kommen. Dies resultiert aus zwei gegenläufigen Bewegungen. Unabwendbar ist der demografische
Wandel, der sehr viel weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt bringen wird und der auf der anderen Seite ab 2015 immer größere Gruppen aus dem Arbeitsmarkt entlässt. Die Babyboomer gehen in Rente. Diese Mischung wird dazu führen, dass immer mehr Stellen nicht wieder besetzt werden können. Die Arbeit innerhalb der Personalabteilung wird sich verändern. Es wird nicht mehr schwerpunktmäßig darum gehen, aus einer Vielzahl von Bewerbungen auszusuchen, sondern attraktive Arbeitsplatzbedingungen anzubieten, damit sich ein Bewerber aus seinen vielzähligen Angeboten für das Unternehmen entscheidet. Welche Auswahlkriterien maßgebend sind, wird unterschiedlich sein. Neben Gehaltsvorstellungen werden (flexible) Arbeitszeiten, Arbeitsklima, Anerkennungskultur und Entscheidungskompetenzen wichtige Kriterien bei der Auswahl des Arbeitsgebers sein. Die Familienfreundlichkeit und der Bedarf nach flexiblen Arbeitszeiten werden sich nicht mehr auf die Versorgung von kleinen Kindern beschränken, sondern die Betreuung älterer Menschen zunehmend einbeziehen.
Junge Menschen werden sich nicht nur um ihre Kinder, sondern auch um Eltern und zum Teil noch Großeltern kümmern (müssen). Die entsprechenden Wünsche nach befristeter Teilzeit über einen kürzeren oder längeren Zeitraum werden sich nicht mehr nur einer bestimmten Zielgruppe, etwa den jungen Frauen, zuordnen lassen, sondern in fast jeder Lebensphase auftreten können.

Für den ländlichen Raum wird es eine besondere Herausforderung werden, für den Zuzug neuer Fachkräfte besonders attraktiv zu sein. Diese Aufgabe wird sich nicht nur den Unternehmen, sondern ganzen Regionen stellen. Die Bertelsmann Stiftung hat zu Darstellung der unterschiedlichen Entwicklung in Deutschland eine Karte erstellt,
in welcher die Regionen und ihre Bevölkerungsentwicklung hochgerechnet für die Zukunft dargestellt werden. Die Herausforderungen sind bereits jetzt sehr deutlich absehbar und selbst mit zunehmender Einwanderung nicht ausreichend zu korrigieren.

 

Das erfreuliche Wachstum der Erneuerbaren Energien wird diese Branche vor besondere Herausforderungen stellen. Denn die Branche wird weiter wachsen. Die Zahlen variieren, abhängig besonders
vom Export.

 

Aber egal ob man am unteren Ende, bei einem prognostizierten Wachstum bis 2030 von etwa 300.000 zusätzlichen Beschäftigten oder bei der positiven Prognose bei 600.000 ansetzt, es werden
mehr Menschen gebraucht werden. Diese benötigen ausreichende Qualifikationen und müssen sich zunächst einmal für einen Weg hin zu den Erneuerbaren Energien und damit in der Vielzahl für einen technischen Beruf entscheiden. Es wird nicht nur zahlreicher Maßnahmen bedürfen, um diesen Herausforderungen zu begegnen – wahrscheinlichwird ein komplettes Umdenken erforderlich sein. Wie kann bereits in der Schule Technik als ein spannender Bereich vermittelt werden, wie können junge Menschen für entsprechende Ausbildungen gewonnen werden, nach welchen Kriterien werden sie sich dann für das jeweilige Unternehmen entscheiden? Und auf der Seite der Beschäftigung: Wie müssen sich Arbeitsprofile verändern,
um möglichst vielen Menschen möglichst lange die Gelegenheit zur Weiterarbeit und zur Freude an der Arbeit zu bieten? Viele Fragen, auf die in der nahen Zukunft Antworten gefunden werden müssen.